Lagenlook und Grunger

Aus dem Grungerock entsteht die Grungebewegung, mit der sich viele Jugendliche identifizieren und aus der sich schließlich Ende der 1980er Jahre die Jugendkultur Grunge entwickelt. Sie rekrutiert sich hauptsächlich aus Vertretern der echten Arbeiterklasse und aus Studenten. Ein typisches Merkmal der Grunger ist der extensive Drogenkonsum. Dieser kostet nicht nur vielen Grungern, sondern auch zahlreichen Idolen aus der Grunge-Musikszene das Leben und trägt zum Untergang vieler Bands bei.

Zu den Interaktionsräumen der Grunger zählen sowohl private Räumlichkeiten als auch öffentliche Aufenthalts- und Begegnungsräume, beispielsweise Second-hand-Shops, billige Cafes, abgerissene, gammelige Hinterzimmerkneipen, Discotheken, Konzerte und Festivals. Typisch für den persönlich genutzten Wohnraum sind eine beabsichtigte Unordentlichkeit sowie eine äußerst spartanische und rein zweckorientierte Einrichtung. Die Zimmer werden mit kuscheligen Schmuddelsofas ausgestattet und die Wände mit Postern und Bildern von Grungebands sowie Konzert-Eintrittskarten gestaltet.

Durch eine ausgeklügelte, durch die Medien unterstützte Marketing-Maschinerie kommt es Anfang der 1990er Jahre zur weltweiten Verbreitung und Kommerzialisierung der Grungebewegung. Ihre Stilelemente, insbesondere ihre Mode (Faschingskostüme 2017) und ihre Musik, werden mehr und mehr kopiert, verkommen zu reinen Konsumphänomenen und verlieren dadurch letztendlich ihre ursprüngliche Exklusivität und Authentizität. Zuweilen wird deshalb in der Literatur das Phänomen Grunge als Produkt einer durchdachten Marketingstrategie angesehen. Die Gründer und Besitzer von SubPop, einem kleinen Independent-Label in Seattle, das verschiedene Grungebands unter Vertrag hat, tüfteln Ende der 1980er Jahre diese Strategie aus.

In vielen Lagen werden die schlabberigen Kleidungsstücke übereinander geschichtet: Hemden und Pullover über mehrere T-Shirts, Jeans über lange Unterhosen und Kleidchen über Leggings. Mit diesem Übereinanderlegen verschiedener Kleidungsstücke, dem so genannten Layering oder Zwiebellook, wird der Schutzfunktion der Kleidung entsprochen, die die ersten Grunger verfolgten: Der Lagenlook sollte als billige Bekleidungsmöglichkeit den klimatischen Gegebenheiten in Seattle angepasst sein, nämlich wärmehaltig und wenig wasserdurchlässig dem feuchtkalten Klima trotzen.

Kennzeichnend für die Mode der Grunger ist – in Anlehnung an deren Musikstil – das Phänomen des Seins. Dieses stellt – bezogen auf die Kleidung – eine Strategie dar, die sich zum einen im kreativen Zusammenmixen vestimentärer Elemente vergangener oder noch existierender Jugendkulturen, zum Beispiel die der Hippies, der Punks und der Heavy Metals , und zum anderen im möglichst unkonventionellen Kombinieren differenter Kleidungsstücke hinsichtlich verschiedener Längen- und Größenverhältnisse sowie Materialien zeigt. So sind beispielsweise T-Shirts mit Aufdrucken von Bandlogos Anleihen aus der Jugendkultur der Heavy Metals, Fetzenlook, schmuddeliges Aussehen und zerrissene Jeans stammen von den Punks und das patchworkartige Zusammensetzen verschiedenster Materialien rührt von der Jugendkultur der Hippies her.

Zu den Samplestrategien gehört auch das Mischen von Kleidungsstücken unterschiedlichster Herkunft, zum Beispiel aus Secondhand-Läden, von Flohmärkten, aus aktuellen Modeläden und aus Eigenproduktionen.
Aber nicht nur in der Kombinier-, sondern auch in der Trageweise der Kleidungsstücke wird die Norm der Korrektheit gebrochen. Ebenso wie die Musik der Grunger soll auch deren Mode eine Disharmonie erzeugen: Dinge werden zusammengeführt, die eigentlich nicht zusammen passen. Neben dem Sampeln lassen sich als weitere Bekleidungsstrategien der Grunger das Wiederbeleben und das Umsemantisieren anführen, wie später noch ersichtlich wird. Im Zusammenhang mit der Mode wird der Körper als weiteres jugendkulturelles Stilelement auch bei den Grungern in spezifischer Weise gebraucht.

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